Heute hat eines unserer Kinder Tauftag. Und wie an jedem Tauftag in unserer Familie gibt es ein kleine Familientradition: Die Taufkerze wird auf den Tisch gestellt und brennt bei jeder gemeinsamen Mahlzeit. Wir wünschen „Alles Gute zum Tauftag“ und erinnern unser Kind daran: Jesus hat dich lieb – und wir auch.
Diese Erinnerung ist etwas sehr Schönes. Und sie ist wichtig. Mitten in dieser Welt, die so viel Wert auf Leistung legt und in der so viele An-sprüche an uns gestellt werden, erinnert uns Gott daran: Ich liebe dich. Du gehörst zu mir.
Ich bin für dich gestorben und auferstanden, damit du für immer mit mir leben kannst.
Der Apostel Paulus verknüpft beides sogar noch enger .
In Römer 6 schreibt er:3Ihr wisst doch:Wir alle, die wir auf Christus Jesus getauft wurden,sind einbezogen worden in seinen Tod.4Und weil wir bei der Taufein seinen Tod mit einbezogen wurden,sind wir auch mit ihm begraben worden.Aber Christus wurde durch die Herrlichkeit des Vatersvon den Toten auferweckt.So werden auch wir ein neues Leben führen.Paulus meint damit nicht bloß die Auferstehung nach dem Tod. Er redet vielmehr davon, dass unser ganzes Leben jetzt schon neu wird: wir müssen keine Angst mehr vor Gott haben; wir können alle Versuche unterlassen, ihn gnädig stimmen zu wollen – weil er uns von Herzen liebt; wir bekommen die Vergebung unserer Sünden geschenkt und ein erfülltes Leben mit Gott. Was für ein Geschenk, oder?
Und mehr noch: weil wir von den Ansprüchen des Gesetzes befreit sind, müssen wir uns nicht mehr um uns selbst drehen, sondern wir können uns in unseren täglichen Entscheidun-gen von Gottes Geist führen lassen und fra-gen: Was entspricht deinem Willen, Vater? Wie soll ich leben? Kurz gesagt: Die Taufe macht uns frei vom Gesetz, damit wir für Gott leben können.
Und hier droht Gefahr: denn es entspricht un-serem menschlichen Wesen, dass wir gerne das Gute von Gott abgreifen, dann aber lieber wieder unser eigenes Ding machen. Konkret:
„Gott muss mir doch sowieso vergeben, also kann ich machen, was ich will.“ Doch diese Haltung ist absolut falsch und hat nichts mit christlichem Glauben zu tun (so ist es auch in Römer 6 und 7 nachzulesen).
Gott meint es gut mit uns und er will Himmel und Erde verwandeln, damit alles wirklich gut wird. Und mit dir und mir will er anfangen. Die Taufe ist so etwas wie der Impulsgeber für die-sen lebenslangen Veränderungsprozess, den wir Christenmenschen mit Gottes Hilfe durch-laufen dürfen. Es geht darum, dass wir täglich zurückkriechen in die Taufe“, wie Luther es formuliert hat. D.h. wir erkennen unsere Sünden an und bekennen sie in Christus. Zugleich erinnern wir uns täglich an sein Versprechen.
Ich habbe dich lieb und mache dich neu.In diesem Sinne wünsche ich uns, dass wirklich jeder Tag so ein Tauftag für uns ist.
Pfr. Johannes Meisinger



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