Gib uns Frieden jeden Tag

Im Februar 1963 schrieb Rüdiger Lüders Melodie und Text des Liedes
„Gib uns Frieden jeden Tag“.
Das Lied wurde bei vielen (Jugend-)Gottesdiensten gerne zum Schluss gesungen. (EG Nr. 425). Friede – Freiheit – Freude – wer von uns sehnt sich nicht danach? Auch wenn wir uns für Frieden und Freiheit einsetzen und uns ein freudvolles Leben wünschen, selber schaffen können wir Friede – Freiheit – Freude nicht!
Anfang der 60er Jahre, als dieses Lied geschrieben wurde, war die politische Situation noch vom Ost-West-Konflikt geprägt. Über 60 Jahre später beten wir weiterhin um Frieden, Freiheit und Freude, angesichts des Krieges in der Ukraine wieder sehr aktuell! Wir wollen in Frieden und Harmonie leben, wollen in Frieden unseren Weg gehen. Wir sind unterwegs und hoffen und beten, dass Gott uns nicht allein lässt. Und in diesem „Unterwegssein“ ist es die Haltung, der Glaube, der unser Handeln (hoffentlich) beeinflusst und die Werte von Frieden – Freiheit – Freude ein Stück Wirklichkeit werden lässt. Wenn in der Bibel von Frieden gesprochen wird, dann wird er dort nicht nur als Frieden im Sinne einer Zeit ohne Krieg und Kampf verstanden, sondern als Frieden im Sinne einer heilen Schöpfung, eines gelingenden Lebens in einer heilen Beziehung zu mir selbst, zu meinen Mitmenschen und zu Gott. „Lass uns nicht allein“. Immer mehr Menschen leiden unter Einsamkeit. 2020 gaben 60 Prozent der 15 bis 30-Jährigen in Deutschland an, sich einsam zu fühlen.
Einsamkeit kann körperliche und psychische Erkrankungen auslösen. Um dem Gefühl von Einsamkeit entgegenzusteuern, empfehlen PsychologInnen und ÄrztInnen unter anderem, sich für andere einzusetzen. Davon erzählt die zweite Strophe des Liedes: Die christliche Freiheit verfolgt nicht die eigenen, egoistischen Interessen, sondern findet ihren Ausdruck im Lieben und Dienen.
Die christliche Freiheit schafft Freiräume, die mit Liebe gefüllt werden sollen, sie ist immer „die Freiheit des/der anders Denkenden“ (Rosa Luxemburg). Das ist Anspruch und Zuspruch zugleich! „Gib uns Freude jeden Tag!“ Freude lässt mich singen, tanzen, lachen, loben und weinen. Freude lässt mich leicht und unbeschwert fühlen. Freude kommt plötzlich und unerwartet.
Freude füllt mein ganzes Sein aus. Freude brauchen wir zum Leben, genauso wie Frieden und Freiheit. Frieden, Freiheit und Freude können wir nicht schaffen, aber dankend empfangen und weitergeben, weil Gott uns alle bergend in seiner Hand hält. Wir sind nicht allein! In diesem Sinn wünsche ich Ihnen einen erholsamen Sommer zu Hause oder unterwegs und freue mich auf die Begegnungen mit Ihnen.

Ihr Diakon Gerhard Landes

Gemeindebrief August / September 2022

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