Endlich Ferien

Meine Nichte steht am Strand und breitet die Arme aus. Sie ist vollkommen bei sich. Glücklich. Ihr lautes Jauchzen wird weggetragen vom Wind. Die Haare zerzaust, ihr Kleid aufgebauscht. Mit allem, was sie ist, steht sie da. Im Einklang mit sich und mit dem, was sie spürt. Sie fühlt sich frei.
Ich betrachte sie von hinten. Ihre Freude berührt mich sehr. Ich sehne mich nach diesem Erleben von Freiheit und Glück. Ganz bei mir selbst zu sein, den Augenblick zu leben. Nicht daran zu denken, was als nächstes getan werden muss. Nicht daran zu denken, an welcher Stelle der Leib nicht der Norm entspricht. Offen zu sein für das, was ist, und für das, was kommt. „Preist Gott mit eurem Leib“, fordert Paulus mich auf (1. Kor 6,20b). Für mich tut meine Nichte genau das. Sie preist Gott mit ihrem Leib. Voll Freude und Begeisterung feiert sie den Augenblick, ganz und gar, mit Leib und Seele. Unmittelbar verbunden mit der Schönheit der Welt, frei und erfüllt. Ich nehme dieses Bild mit.
Es ist nicht egal, wie ich mit meinem Leib umgehe. Für mich selbst zu sorgen mit Leib und Seele – denn so wie ich bin, bin ich mir geschenkt. Geschenkt von Gott. Dankbar stelle ich mich neben sie. Ich breite die Arme aus. Der Wind zerzaust mein Haar. Ich bin glücklich.
Eine gesegnete und behütete Urlaubszeit, Momente voller Freiheit und Erfüllung wünscht Ihnen

Ihre Pfarrerin Ulrike Weeger

Gemeindebrief August/September 2021

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