Der Gemeindebrief – Danke

DANKE

Ein großes DANKE gelegt aus kleinen Wiesenblumenblüten. Eine Blüte habe ich noch in der Hand. Wohin soll ich sie legen. In welchen Buchstaben?

Vielleicht in das „D“ wie „Du“. Denn mir ist ja bewusst, was ich trotzdem manchmal vergesse: Dir, mein Gott, verdanke ich alles, was ich habe. Ich nehme es nur eben immer wieder als selbstverständlich, vergesse den Geber über den Gaben. Jetzt aber ist die Gelegenheit, dir ganz ausdrücklich „Danke“ zu sagen. Nicht aus Höflichkeit, auch nicht um dich zu bestechen, nein, einfach, weil ich es so meine: Danke, mein Gott, für alle deine Gaben. Möglicherweise lege ich meine Blüte aber in das „A“ wie „Andere“. Denn das führt mir ja schon dieses einfache Bild vor Augen: Ohne die anderen wäre meine Blüte einsam und verloren. So ist fast alles ohne die anderen nichts. Was wäre ein Sonnenuntergang am Meer, wenn ich ihn nicht mit jemandem teilen könnte? Was nützte mir das Korn, gäbe es nicht die anderen, die es mahlen und zu Brot backen, die es mir verkaufen? Was wäre das Leben ohne die Gespräche mit meiner Familie, das Lachen mit meinen Kollegen, die Aufmunterungen meiner Freundinnen und Freunde. Danke, mein Gott, für all die anderen. Oder ich lege sie in das „N“. Um daran zu denken, dass dieses „N“ für fast die Hälfte aller Menschen der wichtigste Buchstabe wäre. „N“ wie „Nahrung“. Dass ich nicht hungere, außer um überflüssige Pfunde zu verlieren, das erscheint mir als das Selbstverständlichste auf der Welt, und ist doch selbst in Europa höchstens seit 75 Jahren für die meisten so. Und doch, lebe ich nicht auch von den „Blüten“ meines Lebens? Von der Musik, von einem Buch, das mich nicht loslässt, von der ungelenken Zeichnung einer begeisterten Erstklässlerin. Danke, mein Gott, für Essen und Trinken und für alles, was meine Seele nährt. Und wenn ich die Blüte ins „K“ lege? „K“ wie „Kraft“. Kraft, die mich Enttäuschungen wegstecken half, Kraft, die mich aufrecht hielt, als ich schon dachte, alles ist aus. Kraft, die mich weggehen ließ vom Rand eines Grabes, in das sie einen mir nahen Menschen gelegt hatten. Manches war bitter und schwer seit dem letzten Erntedankfest, nicht alle deine Gaben waren gut, Gott. Aber die Kraft, das zu überstehen, das war doch auch deine Gabe! Danke, mein Gott, für die geschenkte Kraft. Bleibt noch das „E“. Dabei fällt mir das „Ende“ ein, denn einmal wird alles zu Ende sein. Und ich weiß, dass gerade deshalb alles so kostbar ist. Und trotzdem macht er mir Angst, der Gedanke an das Ende, an mein Ende. Gut, dass auch „Ewigkeit“ mit einem „E“ beginnt. Deine Ewigkeit.

Dass mein Ende in dieser Ewigkeit geborgen ist, darauf hoffe ich. Danke Gott, nicht für das Ende, aber für deine Ewigkeit.

Ihre Pfrin. Ulrike Weeger !

Gemeindebrief Oktober / November 2020

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